Pan Kaczka 4

  • Ahoi alle miteinander.
    Nachdem mich Patrick (rennofen) hierher ins rahmenbauforum eingeladen hat, möchte ich euch mein aktuelles Projekt vorstellen, mit dem ich bereits seit letztem Jahr, seit ich meinen ersten Rahmen gelötet habe, schwanger gegangen bin.


    So hab ich mir folgende Ziele gesteckt:
    Rohloff-MTB!
    Starre Segmentgabel, suspension corrected!
    Scheibenbremsen!
    Excentrisches Tretlager!
    Bergrad- und Reiseeinsatz durch Anlötteile für Schtuzbleche und ähnliches Gedöns!
    Aufregend!



    Mittlerweile steht das Projekt auf Rädern, hat die Erste Tour mit vollbepacktem BOB Yak Anhänger hinter sich. Um all die mir gesteckten Ziele zu realisieren, bin ich einen langen Weg gegangen. Ich war bei Dietmar Hertel in Frankfurt auf dem Rahmenbaukurs, hab mir bei Phil Wood Halflink-Excenter bestellt, meine olle Rohloffnabe auf Scheibe umgerüstet und vieles mehr...


    Da ich das Projekt im eingangradforum in Kapitelform in mehreren einzelnen Beiträgen vorgestellt hab, werde ich diese hier eins zu eins übernehmen. Das kommt auch der besseren Lesbarkeit zugute.


    Viel Spaß beim lesen und Bildergucken. Und schon geht’s los mit dem...

  • Prolog: Garage Days - eine Foto-Love-Story


    Am Anfang der Geschichte meines „Pan Kaczka 4“, meines Rohloff-MTB-Projektes also, steht zunächst einmal ein ganz anderes Rad. Dies ist „das gelbe Rad“. Anno 2007 hat mir den Rahmen ein Bochumer Kurierfahrer vermacht. Immer wenn ich ihn getroffen hab, hab ich sabbernd vor seinem Rad gestanden, ob der schönen Sunburst-Optik, die der Lack im fortgeschrittenen Ausbleichstadium angenommen hatte. Als er es dann ausgemustert hat, um sich ein neues zu kaufen, hat er an mich gedacht und mir seinen alten Hobel zum Geschenk gemacht.
    Seither haben wir, das gelbe Rad und ich, eine Menge zusammen erlebt. Seht selbst:




    frisch gesingelt...



    ...so manchen Berg hinaufgequält..



    ...gefixt...



    ...rumgeposed...



    ...rhythmische Fahrradgymnastik probiert,



    kurz: dieses Rad hat (fast) alle meine velozipeden Experimente mitgetragen.
    Als im Spätherbst des Jahres 2010 das Tretlagergewinde den Dienst quittierte und ich bei der vorwinterlichen Fahrradpflege einen Riss im Sitzrohr entdeckte, wollte mir schier das Herz zerreißen.


    Doch da besann ich mich auf meine Pläne und Absichten bezüglich meines Rohloff-MTB-Projektes und entschied, das gelbe Rad sei der ideale Übungsplatz für ein bischen Stumpflötpraxis und bestellte kurzerhand zwei von den hervorragenden Halflink-Excentern, wie sie bei Phil Wood mittlerweile angeboten werden. Mit dem einen wollte ich am gelben Rad experimentieren, das andere war für das hier vorzustellende Rohloff-MTB-Projekt gedacht.
    So befand ich, dass das gelbe Rad entweder wiedergeboren oder bei den ersten Gehversuchen einer Stumpflötung entgültig den Heldentod sterben sollte.


    Also wurde kurzerhand die kaputte Tretlagerbuchse ausgeflext, der Excenter eingelötet, ein Reparaturblech auf das Sitzrohr gebraten, bei dieser guten Gelegenheit gleich noch ein veritables Paar selbstgebastelter Scheibenbremsaufnahme drangebrutzelt nebst dazugehörigen Leitungsführungen..,
    und siehe:
    es ward wiedergeboren und wandelt fortan auf Trails und Asphalt und wird mich wohl in diesem Jahr nach Weidenthal zu „Schlaflos im Sattel“ begleiten. Seht!



    auf dem OP-Tisch



    Phil Woods Organspende



    der Eingriff



    alle Nähte gezogen



    im Aufwachraum, noch etwas benommen...



    erster Geländdeeinsatz



    bourne again!


    Somit ist dieses Experiment gewisserrmaßen das Präludium für das hier vorzustellende Rohloff-MTB-Projekt.



    Weiter geht’s nun mit...

  • Kapitel 1: Die Wahl der Waffen


    Meinen vollmundigen Ankündigungen in Bezug auf mein Rohloff-MTB-Projekt sollten nun auch Taten folgen.
    Den Halflink-Excenter des Herrn Wood hab ich euch ja schon im Prolog gezeigt. Aus der Tatsache, das er bis heute hält und ich das gelbe Rad inzwischen echt gerockt habe, entnehme ich einfach mal, das mir die Stumpflöterei durchaus auch ein weiteres Mal glücken sollte.


    Kommen wir aber nun Zum Kernstück des Projekts:




    Diese rote Schönheit hier hatte kürzlich Geburtstag, und zwar den




    Grund genug, sie ordentlich hochleben zu lassen. Prost! Zum Geburtstag versprach ich ihr bereits vor einiger Zeit, sie künftig öfter zu niesnutzen. Sie rollt bereits seit 6 Jahren mit mir, da sind 10.000 nicht eben viel (
    Zu solchem Zwecke sollte also ein neuer Rahmen her. Der alte




    fährt zwar ganz gut, ist aber grottenschwer und kommt bei mir nur auf langen distanzen mit viel Gepäck zum Einsatz. Außerdem zieht er etwas nach rechts, seit mein Papa mal mit dem Wagen reingesemmelt ist, und an den dicken Ofenrohren sind alle bisherigen Richt- und Biegeversuche kläglich gescheitert.


    Also ging es kurz nach der Geburtstagsfeier ab zum Bernd, um sich dort mit einer veritablen Bremsscheibenaufnahme und externer Schaltzugansteuerung neu einzukleiden.




    der Königin neue Kleider


    Nunmehr wollte die Bauart des Hinterbaus durchdacht sein. Der Excenter war ja schon eingeplant, allein wo soll die Bremsaufnahme hin und wie sei die Drehmomentabstützung zu realisieren?


    Bei Nachforschungen im Netz stieß ich auf die Seiten vonKai Bendixen. Dort entdeckte ich eine Lösung, die mir zusagte und meinen hochtrabenden Vorstellungen gerecht werden könnte
    Bendixen-Bikes


    Fortan war die Entscheidung gefällt: Bremsaufnahme zwischen die Streben, Sitzstreben anlüpfen und die Drehmomentabstützung für OEM2-Achsplatte auslegen.


    Herr Bendixen möge mir verzeihen denn ich habe abgekupfert, aber erstens nicht zum Zwecke der gewerblichen Bereicherung, zum Anderen lang nicht so schön und professionell wie das Original. Schließlich habe ich bisher nur Säge, Feilen und Schmirgelpapier zur Hand.
    Aber ich will nicht vorgreifen; zunächst einmal entstand unter dem Einfluß bewusstseinserweiternder Hopfengetränke und mit Zirkel und Lineal bewaffnet folgende Skizze:



    Und vermittels des genialen Programms "BikeCAD Pro"
    Bikeforest
    entstand dieser Entwurf:



    Orientiert hab ich mich beim Entwurf in erster Linie an meinem ehemaligen On-One-Rahmen; schön langes Oberrohr, anständige Sattelüberhöhung und 440mm Gabeleinbaulänge. Das passt sowohl für ne vergleichsweise lange starre Gabel mit 425mm als auch für ne 80mm Federgabel mit 450mm Einbaumaß.
    Wie gesagt: ich will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Fürs Gelände soll ein Besenstiel-Lenker rein, für den Reiseeinsatz ne starre Gabel und irgendwas komfortables als Lenker, MaryBar oder so.


    Als nächstes hab ich für den Bau der starren Gabel noch ein bisschen genetzsucht , und wieder einmal gilt all mein Dank meinem Arbeitskollegen Uwe, meinem formidablen Netzscout, der mich schon vorher auf Bendixen aufmerksam machte und an einem jener Tage mich auf die Gebla-Webseite führte
    Gebla


    und damit die Idee für den Gabelbau säte.


    Nun musste das Material her. Eingekauft habe ich bei Koehn, dem deutschen Vertrieb für Columbus Rahmenrohre. Für mein Projekt habe ich mich für 31,8mm Sitz- undOberrohr, 34,9mm Unterrohr und 36mm Steuerrohr entschieden. Passende Muffen für 7 Grad Slope, S-Bend Kettenstreben und (in Ermangelung an Alternativen; bei Koehn gab's grad nichts anderes, was zu meiner Sattelmuffe passte) gerade Sitzstreben. Diese mussten noch gebogen werden.
    Des weiteren habe ich ein Gabelschaftrohr und 28,6er Rohre mit durchgehender Wandstärke 1,0mm gekauft, dazu Gabel-Ausfaller, die als Einsteckmuffe für eben jene Rohre ausgelegt sind.



    Großeinkauf bei Koehn; zwei weitere Projekte ebenfalls im Bild


    So, das wars mal wieder. Mehr erfahrt ihr hier, wenn es heißt:

  • Kapitel 2: der Rahmenbaukurs


    Bereits zu Beginn des Jahres hab ich mich also zu dem legendären Rahmenbaukurs bei Dietmar Hertel über die Handwerkskammer in Frankfurt angemeldet.
    Zur Zeit ist der Kurs nicht im Terminkalender, da die Kurse für 2011 bereits Geschichte sind.
    Zunächst sei erwähnt, dass in derr kurzen Zeit von einer Woche eigentlich keine speziellen Wünsche wie excentrische Tretlager oder gar selbstgebastelte Ausfallenden möglich sind. Wer jemals bei dem Kurs war wird das bestätigt finden. Eine Woche ist echt knapp!
    Ich hatte also mehrere Telefonkonferenzen mit Herrn Hertel, und schließlich erlaubte er mir meine Sonderwünsche unter der Bedingung, dass ich vor Kursbeginn in Heimarbeit eine passende Reduzierbuchse für das EBB anfertigen, die Ausfallenden vorbereiten und den Vorderbau heften sollte. In meinem Fall hat das funktioniert, da ich ja ein Jig zu Hause hab und bereits ein bischen Übung. Ein ganz kleines bischen. Und die hat mich auch nicht viel weiter gebracht, wie ich später sehen sollte.


    So begab ich mich also am 9. Mai nach Frankfurt, bepackt und entsprechend vorbereitet, um dort die Kunst des Rahmenbaus zu erlernen. Naja, daran zu schnuppern wäre vielldeicht treffender. Erste Gehversuche auf einem langen Weg...


    Hier nun also die Bilder vom Kurs:



    In Herrn Hertels Rahmenbauschule



    Thomas am praktischen und handlichen und vor allem überhaupt nicht lauten Rohrschneider ;o)



    Diese 1:1 Skizzen fertigt Herr Hertel nach den abgesprochenen Vorgaben der Kursteilnehmer an. Außerdem erhält jeder Teilnehmer ein Datenblatt mit allen relevanten Längen und Winkeln.
    Herr Hertel selbst arbeitet komplett ohne die Skizze, nur nach dem Datenblatt und mit einem von ihm geschriebenen Skript zur erzeugung der ganzen Längen- und Winkelangaben.
    Für uns jedoch war die Skizze überaus wertvoll.
    Anmerkung: in meinem besonderen Falle war ja eh alles anders. Ich arbeite ja mit dem Programm BikeCAD Pro, daher hatte ich nen kleinen Labtop dabei & hab jeden Tag gebetet, er möge bitte nicht ausgerechnet jetzt den Geist aufgeben, da ich weder ein Backup noch einen Ausdruck mit den ganzen Winkeln und Längen mitgenommen hab.



    Sebastian mit seinen ersten selbstgeschnittenen Rohren


    Hier fehlt leider ein wichtiges Bild, nämlich das von der überaus wichtigen Bandschleifmaschine. Herr Hertel hat einen Handelsüblichen Bandschleifer so präpariert, dass er an einem Ende Walzen in verschiedenen Dicken einsetzen kann, so dass ein Gehrungsschliff für unterschiedliche Rohrdurchmesser möglich ist. Darüber hinaus hat der Bandschleifer eine Haltervorrichtung, um das zu schleifende Rohr im entsprechenden Winkel anzuschleifen.
    Für mich, der ich bisher immer mit Handsäge und Feile gearbeitet habe, eine wahre Offenbarung an Arbeitsersparnis!



    mein vorbereiteter Vorderbau nebst Kettenstreben



    Nachdem der erste Tag vor allem eine gründliche Einweisung in die Maschinen und deren Benutzung beinhaltete, wurde am zweiten Tag der Vorderbau zurechtgeschnitten und zum Heften in der Rahmenlehre Vorbereitet



    Sebastian mit seinem vorderen Rahmendreieck, ready to go!


    In unserem Kurs waren wir zu fünft und hatten vier Rahmenlehren zur Verfügung, was ein rechter Luxus war. Normalerweise müssen sich immer zwei Leute eine Rahmenlehre teilen, und bis auf eine sind die Lehren doch recht komliziert einzustellen.
    Die komfortabelste Lehre stammt aus Hertels Feder und ist hier zu sehen:



    Hertels Rahmenlehre


    Der große Vorteil dieser Lehre ist, dass man sie innerhalb von zwei Minuten neu einstellen kann. Mit dem rechtes abgebildeten Ausleger stelle ich die Tretlagerabsenkung und die Hinterbaulänge ein (auf dem zylindrischen Ausleger kann ich zusätzlich noch die Einbaubreite justieren. Der Ausleger für das Sitzrohr hat eine Winkelskala von 71-74 Grad und einen Konus auf einer Höhenverstellbaren Schiene, der sich im Oberteil des Sitzrohrs zentriert.
    Die Einstellung der Vorderbaulänge funktioniert folgendermaßen: Herr Herrtel arbeitet mit einem Hilfsmaß namens OLU (Oberrohrlänge unten gemessen). Dieses Maß ist abhängig von der Oberrohrlänge, der Gabeleinbauhöhe (incl. Einbauhöhe des Steuersatzes) und dem Steuerwinkel und wird in Hertels Maßtabelle als absoluter Wert ausgegeben. Gemessen wird von Mitte TL horizontal bis zum Schnittpunkt mit der verlängerten Steuerrohrgeraden. Hier habe ich also meinen nächsten Fixpunkt, und ich kann von hier aus bequem zuerst den Steuerwinkel einstellen, anschließend mit dem unteren Konus (er hat einen planen Sitz zur Unterkante des Steuerrohrs) die Länge vom eben genannten Schnittpunkt zur Unterkante des Steuerrohrs (ebenfalls ein Hertelsches Hilfsmaß) einstellen. Abschließend justiere ich noch mit dem oberen Konus die Steuerrohrlänge und zentriere dabei natürlich auch noch die Rahmenflucht. Fertig ist der Lack!



    alldieweil befasst sich der ente (das bin ich) schon mal mit seiner Hinterbaukonstruktion. Im Bild zu sehen sind die handgebastelten Ausfallenden. Wie gesagt: eine Fräse steht ganz oben auf meiner Wunschliste fürs nächste Projekt. Die Dinger hier sind mit Säge, Feile und Bohrmaschine sowie reichlich Schmirgelpapier aus einem Stück 6mm Bandstahl gezaubert.



    mein vorgebratener Vorderbau in der Rahmenlehre


    Mittwoch ging es dann endlich ans Eingemachte. Herr Hertel unterwies uns in den Umgang mit dem Lötbrenner. Neben etlichen Sicherheitsmaßregeln im Umgang mit Brenngas, Flußmittel und vielem mehr konnte ich mir hierbei eine ganze Reihe an Anfängerfehlern ausmerzen, die ich bei meinen vorigen Projekten gemacht habe. Das alles hier aufzuführen stoppt nur unnötig die Bilderflut, führte aber dazu, dass ich meine Heftpunkte nochmals aufgelötet und neu zusammengeheftet habe. Schließlich wollte ich in Punkto Lötqualität meinen Mitschülern nicht nachstehen. Lediglich die Stumpflötung am Excenter hab ich gelassen, da war ich ganz zufrieden mit mir.



    der Meister bei der Arbeit



    mein Rahmen, mit neu geheftetem Vorderbau und gestecktem Hinterbau


    Von Mittwoch an überschlugen sich Ereignisse. Angefangen bei der Arbeit des eneuten Heftens hatte ich schließlich noch einiges zu tun mit der Endbearbeitung der Ausfallenden, des Schlitzens der Sitz- und Kettenstreben (die anderen Kursteilnehmer haben klugerweise mit gemufften Ausfallenden gearbeitet). Die Sitzstreben mussten auch noch gebogen werden, kurzum, ich bin leider kaum noch zum Fotografieren gekommen.


    Vier von uns haben sich für gemuffte Rahmen entschieden, der Thomas hat sich einen Rahmen in Stumpflötbauweise ausgesucht. Hier gabs wiederum einiges zu lernen im Hinblick auf den Umgang mit Neusilberlot und demdazugehörigen Flußmittel. Aufgrund der höheren Verarbeitungstemperatur ist hier nämlich eine andere Sorte nötig, auch das eine für mich neue und wichtige Erkenntnis. Ich will eigentlich nicht, aber wenn ich mich überwinden kann, poste ich mal ein Bild von meinem ersten Neusilber-Lötversuch mit Siberflußmittel, den ich bereits vor dem Kurs zu Hause unternommen habe. Hat den Test zwar überstanden, sieht aber richtig Scheiße aus!


    Am Donnerstag wurde dann nach dem fertigen Heften das Durchlöten vorgenommen. Auch dies war ein Tag voller Arbeit und Konzentration, an dem ich die Kamera nur ganz am Ende einmal ausgepackt habe.



    sieht ein wenig traurig aus, der Rahmen im Wasserbad, ist aber nötig, um die fiesen Flußmittelreste zu entfernen.


    Nun wurden die fertigen Rahmenrohlinge nacheinander auf Hertels Rahmenlehre auf ihre Flucht und Maßhaltigkeit vermessen und gegebenenfalls noch gerichtet. (Ein Prozeß, bei dem man dann spätestens den Respekt vor den ach so dünnen Rahmenrohren verliert und aufhört, den heißgeliebten Stahlrenner wie ein rohes Ei zu behandeln.)
    Hernach wurden die Stege angefertigt, die Anlötteile angebracht und eh man sichs versah, war auch schon Freitag Nachmittag und der Kurs näherte sich seinem Ende. Bis auf Thomas (der mit dem ungemufften MTB-Rahmen) sind auch alle fertig geworden, und so weit ich weiß, fehlten bei Thomas' Rahmen am Ende auch nur noch die Anlötteile. Die wollte Herr Hertel im Rahmen des nächsten Kurses für ihn anbringen und ihm den Rahmen dann zuschicken.


    Leider hatte ich mein Rückfahrticket schon gekauft, so habe ich mich auf einmal ganz schnell verabschieden müssen. Zeit für Abschiedsfotos war aber dann doch noch.



    Hertels Rahmenbauer: von links nach rechts Thomas, Sebastian, Marcus, nochmal Thomas und Dietmar Hertel, vorne der ente



    ente voller Stolz mit Pan Kaczka 4 im Arm


    Zerschnittene Fingerkuppen, schwarze Klumpen in der Nase, schwarz konturierte Fingernägel, Adrenalin und Endorphin im Übermaß, Faltradausflüge am Mainufer, Frankfurt City Spritztouren, alkoholfreies Weizen in der Abendsonne, sonnenbadende Zimmernachbarinnen auf dem Balkon, Brandblasen, Niederlagen und Hochgefühle Seite an Seite, Kantinenfraß und Kaffee aus dem Automaten, Metallspangeruch, das alles und eine Million neuer Erkenntnisse! Ich mach das so gern! Danke, Herr Hertel, danke an alle, die dabei waren! Gerne wieder!
    Ja!!!


    P.S.: hab mich für die Meisterschule hier in Ffm angemeldet. Ebenfalls inklusive Fahrrad-Rahmenbau. September geht's los.............

  • Kapitel 3: die Gabel


    Kaum heimgekehrt aus Frankfurt, da galt es auch schon das neu Erlernte einzuüben und umzusetzen.
    Schließlich hatte der Meister uns die Kunst des Stumpflötens mit Neusilber gezeigt, und ich brannte schon darauf, die vor dem Kurs gemachten Fehler auszumerzen und die neue Technik zu vertiefen.


    Also tauchte ich ein in die Gebla-Seiten, um mir Anregungen für den Gabelbau zu holen, und machte mich sodann ans Werk.


    Die Schulterstücke, so befand ich, sollten in einem Winkel von 110 Grad auf das Schaftrohr treffen. Mit tubemiter, einem nützlichen kleinen tool, mit dem man Schablonen für die Gehrung für Rohr-zu-Rohr-Verbindungen ausdrucken kann) hab ich die beiden Gehrungen ausgeklinkt und dann mein Jig auf die Bedürfnisse angepasst. Den Tip mit tubemiter hatte ich aus dem eingangradforum, ich glaube auch von Patrick, den ihr hier als rennofen kennt. Danke noch mal



    ein bischen improvisiert, aber brauchbar


    So eigespannt konnte ich die Vorderseite von oben nach unten direkt durchlöten, anschließend den Rohling wenden und auf der Rückseite noch einmal das gleiche tun. Diese Stumpfverbindungen sind im Betrieb sehr hoch belastet, daher hab ich Neusilber genommen und eine sogenannte "Schweißlötung" so sagt zumindest Herr Hertel, angebracht. Wie oben erwähnt bedarf es hierzu eines besonderen Flußmittels mit Temperaturbereich von 800 bis 1100 Grad. Das verdammte Neusilber ist viel zäher als Silberlot und will erst nicht so richtig, daher hab ich erst an einfachem Geröhr geübt. Nach einigen Probelötungen geht es einem aber doch so einigermaßen gut von der Hand.


    Im zweiten Schritt habe ich dann die Ausfaller in die Gabelbeine eingelötet (Silberlot).
    Als nächstes wurde es wieder schwierig. Hier kommt wieder das Gabeljig zum Einsatz, dass ich letztes Jahr zusammen mit dem Papa meiner Freundin konstruiert hab.



    mühsam ernährt sich das Eichhörnchen


    Die Schulterstücke hab ich auf die Schnittlänge zu den Gabelbeinen gekürzt. Die Ausfallenden geben einen ganz leichten Schrägstand für die Gabelbeine vor (etwa ein halbes Grad je seite nach innen). Am Gabeljig hab ich die Vorbiegung der Gabel eingestellt und dann peu à peu die Gehrungen in die Schulterstücke gefeilt. Das war mit Abstand das Aufwändigste Unterfangen des ganzen Projekts. Ich hab im Netz geforstet, um ein Programm zu finden, dass eine Gehrungsschablone erzeugt unter Berücksichtigung eines weiteren, räumlichen Winkels (für die Gabelvorbiegung), aber bisher nichts gefunden, daher die umständliche Näherungsarbeit.
    Am Ende hat es dann aber doch geklappt. In gleicher Art und Weise wie vorher hab ich die Beine an der Vorderseite imJig durchgelötet, abkühlen lassen, und dann ohne Jig (aber mit eingespannter VR-Nabe) die Rückseite durchgelötet. Nicht schön, aber hält.


    Jetzt müssen noch obere Abdeckkappen für die Gabelbeine her (1mm Stahlblech), eine Diskaufnahme (6mm Bandstahl), eine Zugführung. Und schließlich noch der Aufschlagkonussitz (Hier noch einmal ein riesiges Dankeschön an Jolas Papa, der mir mal eben welche gedreht hat. Dankedankedanke!)
    All die Teile natürlich wieder mit Silberlot, um das Geröhr nicht zu sehr zu strapazieren und die Flucht zu erhalten.



    hier das Ergebnis



    und noch einmal von oben


    Eine Anprobe im Fahrradladen fehlte noch. Den Konussitz fräsen, die Ausfaller mit den Campa-Glocken etwas beirichten, und das sollte es eigentlich gewesen sein.
    Sollte.
    Wenn Kollege Barney nicht gewesen wäre.
    Der begutachtete nämlich mein Werk und ließ sich anschließend zu folgender Äußerung herab:
    "sieht aber nicht gut aus."
    Der A...!
    Aber er hatte recht.
    Es sah wirklich nicht gut aus.
    Es passte zwar alles, und immerhin wars ja auch mein erstes mal (mit Neusilber), aber schön war es wirklich noch nicht. Ich hätte es eigentlich so gelassen, aber der Barney hat mich bei meinem Ehrgeiz gepackt (Danke, Barney; manchmal bringt einen ein Arschtritt weiter als Lobhudelei!)


    Gut, dass alles so gekommen ist, sonst wäre ich nicht in den Genuss einer Nachbehandlung mit Silberlot gekommen. Ich hab die Oberfläche der Naht mit Schleifpaper blank gemacht, und anschließend bei geringer Temperatur Silberlot aufgetragen. Im Prinzip ist das das gleiche Verfahren wie das berühmte "fillet brazing" und das Ergebnis kann sich sehen lassen:



    leider ein bischen unscharf, aber die Nähte sind jetzt glatt wie ein Babypopo


    So, jetzt sind alle Nacharbeiten an Rahmen und Gabel abgeschlossen.



    fertig für Phase Fleisch



    noch einen näheren Blick auf die Ausfaller



    und die Excenterbuchse


    So, das wars mit dem Gabelkapitel. Freut euch mit mir auf ...

  • Kapitel 4: die Haut


    Das ist schnell erzählt, ich habs aus der Hand gegeben. Im benachbarten Hattingen ist die Firma IQ Oberflächentechnik beheimatet, dorthin hab ich Rahmen und Gabel zum Pulvern gebracht. Hattingen ist nicht weit, so dass ich mir den Rahmen auf den Rücken geschnallt hab und mitm Rad hingefahren bin. Damit ist die Lackierung zwar nicht mehr DIY, aber das Gefühl lokaler Gemeinschaftsarbeit ist noch da.
    Die Grundfarbe (Rohloffrot) war also gelackt, nun wollten die Banderolen aufgetragen sein. Also hieß es nun Abkleben, Anschleifen und mit der Dose drübergehen. Ein paar Pinselstriche noch, und schon sah das ganze so aus:



    Zwischenschritt mit Banderolen und Linierung


    An dieser Stelle kommt mein Kumpel Manni ins Spiel, der mir bereits bei meinem Erstlingswerk in puncto Layout und Optik ordentlich unter die Arme gegriffen hat. Dank seiner Arbeit sah das ganze bald so aus:







    Und so kommt eins zum anderen, und schon sind wir bei...

  • Kapitel 5: das Rad


    Ein langer Schaffensprozess neigt sich dem Ende. Es ist fertig. Die Jungfernfahrt. Seht!




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