Erstes Fully

  • Hi,


    hier muss mal wieder was gepostet werden. Also, ein neues Rad.

    Eigentlich brauchte ich nichts Neues, aber irgendwie kam günstig ein Dämpfer zu mir und dann kribbelte es mir permanent in den Fingern doch mal ein Fully zu bauen. Der Gedanke lies mich nicht mehr los, also musste ich es machen. Kurzfazit: Ein Fully ist ca. 3mal aufwändiger als ein Hardtail. Das geht bei der Planung los und hört beim Vorrichtungsbau für perfekten Sitz in allen Ebenen auf.

    Planung und Komponentenauswahl begann bereits im Jahr 2018! Von daher sind einige Dinge eventuell veraltet. Shimano 12x gabs da bspw. noch nicht.

    Fertiggestellt wurde das Ganze im März 2019. War trubelig. Verletzungsbedingt nur 9 Finger zum Arbeiten, Werkstatt musste geräumt werden... Aber es ist noch fertig geworden. Das letzte Rad aus dieser Werkstatt.


    paar Zahlen und Fakten:

    - 650b boost Hinterbau, schluckt locker 2.5" Reifen

    - True Temper Rohre

    - 160mm Front, 155mm Heck (oder hab ich es Front grad auf 170 getravelt? weiß nicht)

    - 2x11 Schaltung 582% Bandbreite (Shimano, SRAM mix)

    - 64° Headtubeangle

    - 76.5° Seattube Angle (BB center to ST top center)

    - 425mm Kettenstreben

    - Platz für Flaschenhalter :)

    - generell, wie immer bei mir, eher kurz und wendig das Rad. Nicht dem long longer longest trend folgend

    - Hauptlager zum Experimentieren:

    -- entweder IGUS Gleitlager auf 20mm Achse (das ist der aktuelle Verbauzustand, ist top, daher keine weiteren Experimente geplant)

    -- alternativ zweireihige Schrägkugellager 3804 auf ebenfalls 20mm Achse

    -- und wenn das auch nicht gut wäre, dann könnt man immernoch rechts und links jeweils ein Hope Headset top ZS44 einbauen


    Nun folgend einfach ein paar Bilder vom Entstehungsprozess. Bei Fragen einfach Fragen.


    headtube und Hauptlager mit Verstärkungsringen:


    Flaschenhalter diesmal von Innen mit Plättchen verstärkt:


    Durchführung für versenkbare Sattelstütze, verstärkt:


    Sattelklemme und Verstärkungsring am Sattelrohr:


    Gepunktet mit WIG vor dem Löten... wollts mal ausprobieren. Auf dem Unterrohr ist schon die Verstärkung für die Dämpferaufnahme aufgelötet. Auch zu sehen die gelaserten Hilfsteile um alle Aufnahmen (Dämper,...) an Ort und Stelle zu halten.


    vorderes Rahmendreieck gelötet und verschliffen:


    Drehpunkt und Hilfsteile für Schwinge:


    PM Aufnahme wie beim Hardtail (hatte ich noch liegen):


    Rohre nach Schablone gebogen:


    Kettenstreben grob geheftet:


    in Teil 2 gehts weiter...

  • weiter gehts...


    Reifenfreiheit Kettenstreben prüfen:


    Schwinge in der Lehre:


    Schwinge durchgelötet:


    Gleitlager, Lagerschalen und Hardeloxierte Achse. fluchtet perfekt.


    alles mal zusammengesteckt in der Lehre, vorderes Dreieck ist schon phosphatiert:


    und nochmal außerhalb der Lehre:


    Maßarbeit an der Bremsaufnahme:


    Späne machen für die Umwerferaufnahme:


    Umwerferaufnahme fertig gefräst. (alles Manuell, nix CNC):


    ne Custom A-Head Kappe darf natürlich nicht fehlen. Hier durfte meine kleine CNC mal ran:


    Teil 3 folgt...

  • ...


    Umwerfer eingebaut. passt perfekt die aufwendige Halterung. (Low Direct Mount ging nicht, weil kollidiert mit dem Hauptlager):


    Teilaufgebaut:


    ganz aufgebaut:


    Rahmennummer darf nicht fehlen. Schablone gelasert, ins Metall geätzt und dann farblich ausgelegt:


    und fast final in freier Wildbahn:


    Fazit:

    Hat länger gedauert als gedacht. Fully bauen mit wenig Freizeit ist schwierig. Aber sehr belohnend wenn alles zusammenpasst. Toleranzen und Genauigkeit ist nochmal ne Ganze Ecke spannender als bei nem "simplen" Hardtail.

    Das Ganze ist nun schon über ein Jahr im Einsatz, nicht als Hauptrad aber wird gut bewegt. Fährt sich sehr angenehm. Hinterbau wippt kaum, ist aber im Gelände schön ansprechend. Erste Kette ist verbraucht ansonsten verhält es sich unauffällig.


    Service oder Reinigung sieht es wie all meine Räder eher wenig. Bewegliche Teile werden gewartet, aber ansonsten siehts meist so aus:


    Vor paar Wochen hab ich dann mal das Hauptlager angeschaut, wollt sehen wie es nach einem Jahr Schlammschlacht so aussieht:

    Ich finde, das kann sich sehen lassen. Kaum Riefen, kein Schmutz eingedrungen (Deckscheibe aus selbem Igus Material hier nicht auf dem Bild). Das kann man so auf jeden Fall noch ne Saison fahren und wenn es dann bissl verbraucht ist, tausch ich die Gleitlager, kosten quasi nix. Somit hat sich das experimentierbare Hauptlager als unnötig herausgestellt, keine weiteren Experimente nötig.


    Einziger Wehmutstropfen (auf dem letzten Bild zu sehen). die von mir gefertigten Aluminiumteile (7075er), konkret Lagerschalen und Umwerferhalterung, sind nicht eloxiert weil ich keinen Platz für diese Sauerei habe. Deshalb leiden sie ein bisschen... Aber könnt schlimmer sein.


    Vielen Dank fürs Durchhalten bis hier her,

    Viele Grüße,

    Martin