Tips für ersten Rahmen gesucht

  • Hallo Miteinander,

    Nach Jahren Hin- und Herüberlegen, ob ich mich mal an einen MTB-Rahmen wagen sollte, habe ich für dieses Jahr den finsteren Entschluß getroffen, das Projekt zu starten.

    Mir ist bewusst, daß in diesem Forum nicht mehr allzuviel los ist, dennoch scheint es der Platz zu sein, an im deutschsprachigen Raum das meinste Know How konzentriert ist.

    Zu meiner Person:

    Ich habe grundsätzliche Fähigkeiten im Bereich Metallverarbeitung inkl. Schweissen und Löten, dies geht aber nicht über ambitioniertes "Praktikums-Level" hinaus. Dazu kann ich einigermaßen mit CAD umgehen.

    Mein Projekt:

    Ein MTB Stahl Hardtail mit moderner Geometrie, Mullet oder komplett 29er. Gelötet im Fillet Brazed Verfahren. Ein Dartmoor Primal 29 in L stand für die Geo und ein GT Zaskar aus den 90ern für das Design Pate:


    Da ich kein professionelles Werkzeug zur Verfügung habe (Autogen Schweißgerät "Roxy Kit+"), habe ich mich mal an einen Vorbau als Teststück gesetzt. Der Vorbau soll nicht verwendet werden und diente nur zum Erfahrung sammeln.

    Die Gehrungen sind per Hand gefeilt, aus dem CAD kann ich ja recht bequem Abwicklungen als Papierschablone erstellen.

    Gelötet habe ich zuerst mit Neusilberlot Fontargen A 102, danach habe ich mit Silberlot Fontargen A 333 drübergelötet um mehr Material für die Fillets aufzutragen.


    Dabei haben sich natürlich gleich die ersten brennenden Fragen entwickelt:

    1. Ist das Vorgehen mit den 2 Loten sinnvoll? Das Hochsilberhaltige A333 ist extrem dünnflüssig geworden, eine "Modellierung" damit war nicht möglich

    2. Ich hatte Angst, den Stahl zu sehr zu erhitzen, das Lot (Beide Sorten) flossen aber erst, wenn der Stahl dunkelrot geglüht hat. War das bereits zu heiß?

    3. Im Lot gibt es Einschlüsse von kleinen Luftbläschen. Ein Zeichen von zu hoher Temperatur?


    Viele Grüße und herzlichen Dank!

    Holger

  • Moin Holger,

    nachdem ich im vorigen Sommer da gewesen bin für zwei Masterclasses, habe ich mir gesagt: Wenn jemand fragt, wo Fahrradrahmen bauen lernen, dann The Bicycle Academy in Frome, Somerset, England: https://thebicycleacademy.org

    Vorher hatte ich bei einem anderen Rahmenbauer einen Rahmen gebaut und viel gelernt. Aber da hatte ich mehr ausgeführt, bei TBA lernte ich das »warum mache was wie« – und vor allem das Beurteilen meiner Arbeit. Jeder einzelne Cent (bzw. Penny) ist hervorragend angelegt.

    Ja, klar, das geht jetzt bis auf Weiteres nicht wegen der Pandemie. Verschiebe lieber Dein Projekt.

    Oder frage einen anderen (inländischen) Rahmenbauer, der auch Kurse anbietet, ob Du Dein Projekt als Kursinhalt umsetzen kannst. Hier kannst Du welche finden: https://stahlrahmen-bikes.de


    Zum Lot: Nein! Kein Silberlot für Auftragslötung beim Fahrradrahmen! Dafür nimmt man Messinglot, es muss ja halten. Die Fillets sollten breiter sein als bei Deinem Vorbau. Dunkelrot ist völlig in Ordnung, das Lot muss ja drauf schmelzen.

    Zweimal löten hat den Nachteil, dass die Rohre zweimal erhitzt werden müssen, manche machen das, viele nicht.

    Bläschen können viele Gründe haben.


    Grüße

    Johannes

  • Anfänger-Frage: Ist hier nicht durch das Neu-(!)-Silberlot schon ausreichend Festigkeit gegeben und die zweite Auftragslötung nur noch von optischen Interesse?


    Klar, Silberlot für nicht-gemuffte Verbindungen reicht nicht, aber Neusilber sollte doch passen, sogar ohne Fillet drüber. Liege ich falsch?

  • Mit Neusilberlot kenne ich mich überhaupt nicht aus. Für Rahmen kenne ich nur Messing (für Auftragslötung) und Silberlot (für Muffen und Kleinteile ohne große Belastung). Ich denke, das hat seine Gründe (und die liegen nicht in der Tradition).

    Beim Mustervorbau von Holger finde ich die Fillets zu knapp, breitere hinzukriegen, dürfte mit Silberlot schwierig sein. Außer man nimmt: Fillet Pro

  • Hi Holger,

    ich schließe mich mal den bisherigen Meinungen an. Neusilberlot halte ich persönlich für nicht gut geeignet für Fillets. Hatte damit vor langer Zeit auch mal experimentiert. Ich fand es schwierig damit schöne große Fillets zu erzeugen. Und ich empfand die Nachbearbeitung (Schleifen) schwieriger als beim Messing. Von daher arbeite ich nur mit Messinglot L-CuZn40, was Fontargen A 210 wäre. Hier nehm ich gern min. die 2mm Stäbe, dickere bietet sonderlote leider nicht.


    Thema Löcher: Das kann mehrere Ursachen haben. Überhitzung ist eine, kann man auf deinen Bildern nicht erkennen. Dafür müsstest du mal ein Bild vor dem nachbearbeiten einstellen. Sprich Flussmittel mit Wasser entfernt, sonst nichts weiter gemacht. Viel wahrscheinlicher ist jedoch leichte Verschmutzung. Ich habe mir angewöhnt sehr penibel auf Sauberkeit zu achten und habe kaum noch Löcher. Heißt:

    - Rohre entfettet und gereinigt (kein fusselnder Lappen)

    - direkt vor Verwendung reinige ich jeden Lötstab kurz mit Waschbenzin


    Zweischichtige Fillets: Gibt Leute die machen das, viele erachten es als unnötige doppelte Hitzeeinwirkung und Belastung fürs Rohr. Ich gehöre zu Zweiteren :).

    Ausnahme: die genannten Löcher. Die erweitere ich zum Schluss leicht mit einem Dremel, erhitze kurz lokal und schließe die Löcher mit hochsilberhaltigem Lot (zwecks wenig Hitze). Dann sieht es nach dem Pulvern keiner.


    Thema Angst vor zu hohem Erhitzen: einfach von unten herantasten. Erhitzen, erhitzen, erhitzen und regelmäßig probieren ob das Lot fließt. Dann hast die richtige Temperatur und irgendwann hast du das im Gefühlt. Schön stückweise machen damit es nicht zu heiß wird. Entscheidend ist immer ein gleichmäßiges Erhitzen. Nie punktuell. Die gesamte Rohrverbindung erst einmal auf Temperatur bringen (rundherum) und dann dort wo du lötest auf finale Temperatur hoch. aber auch dort nicht punktuell. Der von dir verwendete Brenner ist sehr klein und kann wenn man ihn punktuell nutzt auch schöne kleine Löcher machen :) Aber er ist gut und ausreichend. Hab damit auch Rahmen gemacht. Hatte nur ne große Sauerstoffflasche drangemacht weil davon brauchts einiges.


    Ansonsten. Viel Spaß und Erfolg. Mit dem GT Design haste dir nichts leichtes als Erstlingswerk ausgesucht, die Oberrohr/Sattelrohr Verbindung mit minimalstem Spalt zu machen ist nicht ohne.


    Viele Grüße,

    Martin