Brennerempfehlung

  • Zitat


    Hallo liebes Forum,
    nach langer Zeit der Abstinenz will ich heut mal wieder was posten.
    Ich besuche zur Zeit die Meisterschule für Zweiradmechaniker in Frankfurt/Main. Für diese Schule hab ich mich entschieden, weil hier im Rahmen des Vorbereitungskurses ein Fahrradrahmen gebaut wird und damit auch Schweißen und Löten unterrichtet wird. Außerdem hab ich im Frühjahr bereits hier den Rahmenbaukurs bei Dietmar Hertel besucht.


    Da wir hier eine hervorragende Ausstattung zur Verfügung haben konnte ich mittlerweile auch ein paar Erfahrungen mit dem WIG-Gerät sammeln, Mein Fazit bis jetzt wäre folgendes: sowohl Schweißen mit WIG als auch Löten mit der Flamme braucht Übung, ist aber kein Hexenwerk. Ich persönlich finde das Flammlöten einfacher, da man etwas mehr Zeit hat, bevor der Stahl Schaden nimmt. Wer eine ruhige und sichere Hand hat, wird aber auch mit dem WIG-Schweißen bald brauchbare Ergebnisse erzielen.


    Unser Rahmenbaulehrer hier in Ffm ist Dietmar Hertel. Zum Thema muffenloses Löten empfiehlt er "Neusilberlot" (das ist eigentlich auch eine CuZn-Verbindung, also eine Art Messinglot), welches im Hinblick auf die Zugfestigkeit dem Messinglot überlegen ist (Bsp. L-CuNi10 Zn42 hat 690 N/mm² Zugfestigkeit gegenüber L-CuZn40 mit 350 N/mm²). Ich hab beides ausprobiert. Meiner Meinung nach fließt das Messing etwas besser als das Neusilber, daher hab ich als Anfänger damit schneller Erfolge gehabt. Dennoch sprJesusquintanasicht die Festigkeit eher für das Neusilber.


    Nun zu den postings übers WIG-Löten (ich muss unbedingt mal lernen, wie man vernünftig quotet: das hier bezieht sich auf die postings von Julian, Patrick und Kai auf Seite 3):
    Ich konnte unter anderem auch mit WIG-Löten experimentieren. Aus meinen Gesprächen mit Dietmar Hertel habe ich bisher herausfinden können, dass die geeigneten Lote fürs WIG-Löten eigentlich Schweißzusätze fürs Schweißen von Kupfer sind. Diese "Kupferlote" haben im Gegensatz zu den herkömmlichen Hartloten keinen oder nur einen sehr geringen Anteil an Zink. Zink hat mit knapp über 900°C einen relativ niedrigen Siedepunkt, daher neigen die Lote bei der schnellen Erwärmung mit dem WIG-Brenner zum "verspritzen". Aus diesem Grunde nimmt man die Kupferlote.

    Mir ist aufgefallen, dass beim WIG-Löten der automatische Impuls sinnvoll ist, weil so die Gefahr des Aufschmelzens des Stahls (also der Rohre) verringert wird. Das Gerät hier in Ffm hat Gleichstrom, konstant oder pulsierend, kann bis 180 Ampère (mehr als ausreichend für unsere 1-2mm Wandstärken), und wir verwenden Argon als Schutzgas. Tatsächlich hab ich nach ein paar Versuchen schon so etwas wie eine saubere Naht hinbekommen, allerdings hapert es noch mit dem Fließen durch den Spalt. Aber ich werd noch viele Stunden üben können hier...


    Nun möchte ich ein paar Fragen an diejenigen stellen, die schon Erfahrungen mit WIG-Löten gemacht haben. Ich arbeite gerade an einem Referat über das WIG-Löten und die Frage, ob es für den Fahrradrahmenbau geeignet sei. Der einzige kommerzielle Großserienanbieter, der WIG-gelötete Rahmen im Programm hat, (zumindest der einzige, den ich gefunden habe) ist Utopia. Die wiederum lassen bei Van Raam in Holland bauen. Ich würde mich nun gerne mal mit jemandem unterhalten, der schon mal mit WIG gelötet hat, und der vielleicht schon etwas mehr Erfahrung gesammelt hat als ich.
    - Was nehmt ihr als Lote?
    - Welche Erfahrungen habt ihr mit Abreißversuchen?
    - Wie sieht es mit Verzug aus gegenüber Flammlöten mit Messing oder Neusilber?
    - Habt ihr schon mal mit Plasma gelötet?


    Ich würd mich über ne Telefonnummer per pn freuen, oder über Beiträge hier im Forum.
    Viele Grüße aus Ffm,
    Stephan

  • Hallo Stephan,
    was den Schwierigkeitsgrad Löten/Schweissen angeht, so sehe ich das ähnlich wie du.
    Eben, dass Löten sehr viel mehr verzeiht und auch dem Ungeübten eher Erfolgserlebnisse beschert. Löcher sind kaum zu fabrizieren und wenn das Löt mal an die falsche Stelle gelaufen ist, bekommt man es da auch wieder gut weg (mittels geschickt gesteuerter Hitze oder abrasiv).
    Ob Messing oder Neusilber ist ein bisschen Geschmackssache. Halten tut beides. Wobei ich mit Messing filletiere, weil ich sonst ja auch gleich Schweissen könnte, wenn ich eh kein fillet mache.
    Das einfacher zu erzielende Erfolgserlebnis (sprich fahrbarer Rahmen und im schlechten Fall keine tagelange frustrierende Schleiferei) dürfte dann auch mit ein Grund für das Neusilber im Kurs sein.
    Schlussendlich muss es halten, und da gibt es mehrere Wege die nach Rom führen.


    Zu deinem eigentlichen Anliegen: Als ich mit Wig Löten experimentiert habe, habe ich CuSi3 als Zusatz verwendet. Das ging nicht so schlecht, ein fillet in der Größe wie bei Messinglot und Autogenflamme habe ich aber nicht bauen können. Die Naht hatte rund 4-5mm Breite.
    Mittels Formieren lies sich das Lot sehr viel besser in den Spalt und richtig gut auf die Rückseite der Naht bewegen.
    Weil ich keinerlei Vergleiche hatte und mal eine Meinung zum Ergebnis hören wollte, habe ich das einem Verfahrenstechniker von Fronius auf der Euroblech (toller Name für eine Messe) gezeigt. Er fands sogar recht gut, aber ich bin mir ob des Ergebnisses nicht so sicher, weil ich den Eindruck hatte, hier und da sei der Grundwerkstaff auch mit aufgeschmolzen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass die Nahtfärbung nicht so homogen war (also eher silbrige Stellen im sonst rötlichen Zusatz), wie ich das erwartet hätte.


    Ich bin zu dem Schluss gekommen, durch Wig Löten nichts zu gewinnen, daher habe ich die Versuche eingestellt. Wenn ich (besser gesagt der Kunde) aus optischen Gründen ein ordentliches Fillet möchte, kann ich mit Messing löten.
    Und wenns primär wirtschaftlich sein soll, dann schweisse ich.
    Das Schweissgerät habe ich sowieso, und beim Ergebnis gibts keine Unsicherheiten hinsichtlich der Haltbarkeit des Rahmens. Beim Wig Löten fehlt mir da schlicht die Erfahrung und Experimente mit Kunden als Versuchskaninchen sind ja keine Option.


    Grüße
    Kai

  • Hallo Kai,
    vielen Dank für deine umfangreiche Antwort. Das mit dem Versuchskaninchen sehe ich auf jeden Fall genauso. Umso mehr schätze ich die Situation hier in der Schule, wo wir nach Herzenslust experimentieren können. Mittlerweile haben wir hier mehrere "Kupferlote" ausprobieren können; die besten Ergebnisse haben wir mit CuSi3 erzielt. Obwohl die Zugfestigkeitswerte von CuAl8Ni2 deutlich besser sind, ist es für uns eher ungeeignet, da es nur sehr zäh fließt und der Stahl sehr oft teigig wird, bevor das Lot läuft. Das mit dem formieren ist ein guter Tip, das werde ich hier auf jeden Fall noch ausprobieren.
    Ende Dezember werden wir zu Van Raam nach Holland fahren, um dort vor Ort mal mit den Rahmenbauern zu sprechen. Ich hab ein Foto in einem anderen Forum gesehen, da sieht es so aus, als ob die bei Van Raam eine Art automatischen Vorschub benutzen, der mit dem Wig-Brenner gekoppelt ist:
    http://images4.wikia.nocookie.…_Loeten_Fahrradrahmen.jpg
    In nächster Zeit werden wir hier Abreißversuche mit WIG-Nähten gegen flammgelötete Stumpfnähte machen. Und wenn ich binnen der nächsten Wochen genug Routine bekomme, werde ich wohl hier einen Rahmen mit WIG löten. Gegen Selbstversuche ist ja schließlich nichts einzuwenden.Es bleibt jedenfalls spannend.
    Viele Grüße aus Ffm,
    Stephan

  • Wenn du mit die Brenngase Propan/Acetylen vergleichst kommst du schon auf den gravierensden Unterschied
    Propan 8 Wasserstoffatome --> 4Moleküle Wasser und 3 CO2
    Acetylen 2 H2 Atome ---> 1 Moelkül Wasser und 1 CO2


    Natürlich müsste man nun noch die Brennwerte/Heizwerte vergleich um die genauen Wassermengen zu erhalten.Es wird in der Messinglotnaht sichtbar wie das Wasser darin kleine Hohlräume bildet und somit in gewisser weise die Naht "perforriert" - das aber meinte Herr Pyttel sei gar kein Problem.


    Gruß Tilo

  • Na ja
    eventuell hast du bei falscher Brennereinstellung schonmal ein "knallen" gehört.
    Stell dir vor das pasiert bei Sauerstoff / Wasserstoff.
    Aus´m Chemieuntericht kennst du bestimmt noch die Knallgasreaktion. "plöpp"
    Beim Löten hast du höhere Gaskonzentrationen als in einem Reagenzglas.
    Sollte also was schief gehen reicht eine normale Haftpflicht vermutlich nicht.
    Was dir aber im schlimmsten Fall egal sein kann (RiP)


    Außerdem haben wir viel mit dem Mischungsverhältnis rumexperimentiert und festgestellt das es sich zwar einstellen läßt aber bei bestimmten Verhältnissen einfach eine unglaubliche Energie entwickelt
    (Hintergrund, wir haben versucht einen Wasserstoffmotor zu bauen)


    Ich würde abraten.


    pS: ich denke auch, das beim Einsatz von Propan oder anderen Gasen und Sauerstoff, die Themparaturen eh so hoch sind das 99,nochwas% des Wassers verdampft.


    Mit Wasserstoff wird in der Schmuckbranche manchmal gearbeitet weil es eben Rückstandsloß ist. Es bleibt eben nur Wasser und nicht etwa Kohlenstoff in irgendeiner Verbindung der dann als Verunreinigung im Schmuck bleibt.