44mm Steuerrohr & die Toleranzen

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      44mm Steuerrohr & die Toleranzen

      Ich habe da ein kleines Problem. Ich habe mir ein 44mm Steuerrohr drehen lassen welches ich nun bald verbauen will (das kurze ist meins):



      Für den Steuersatz braucht man ja eine Toleranz innen von 43,90 +0,05/-0. Ich habe es jetzt auf 43,7 drehen lassen damit ich es nach dem Löten noch nachfräsen kann. Jetzt komme ich leider nur völlig umständlich an einen 44mm Steuerkopffräser heran und hier in Magdeburg gibt es keinen Radladen der sowas hat. :( Kaufen will ich mir keinen. :whistling:
      Meine Idee war es jetzt das Teil nochmal auf die Drehbank zu spannen und die finale Toleranz vor dem löten zu drehen. Ich habe leider keine Ahnung ob der Verzug beim Löten mit Messing da noch gravierenden Verzug reinbringt. Was meint ihr/was sind da eure Erfahrungen?
      Sind Steuerrohre die man kauft eigentlich mit Aufmaß oder ohne?
      Hi,

      je nach Lötskills wird sich das Rohr leicht ovalisieren, bei mir jedenfalls immer ein bisschen :) Vorher auf Zielmaß ausdrehen ist also nicht zielführend, danach hast du ein ovales Rohr und kein Fleisch mehr zum nacharbeiten.

      Wie schon erwähnt haben fertige Steuerrohre immer Aufmaß damit sie nach dem Löten/Schweißen auf Maß gefräst werden. Das Aufmaß an sich ist recht unterschiedlich. Das Henry James MHT44 Rohr hat "recht viel" Aufmaß, die Paragon Steuerrohre weniger. Kenn jemanden der die Paragon Rohre ohne Nachfräsen direkt einsetzt (allerdings WIG geschweißt). Beim MHT44 hat man keine Chance ohne Nacharbeit nen Steuersatz einzupressen.

      Kurze Zusammenfassung der Odyssey meines letzten Rahmens:
      - Ausspindeln auf der Drehbank: ging nicht. Meine Drehe (Compact8) ist einfach zu klein, auf den Minischlitten war es mir nicht möglich den Rahmen stabil und geometrisch korrekt zu spannen. --> Viel Zeit verloren, viel Frust, kein Erfolg
      - günstig an ne 44mm Handreibahle gekommen, aus Spaß ausprobiert: das Ding ist ein Trümmer, Riesenteil, schwierig anzutreiben. Die HSS Reibahle hat in dem harten CrMo Stahl nicht geschnitten. bin mit unglaublich viel Kraftaufwand so 20mm reingekommen (die Ahle hat einen Anschnittbereich der >30mm ist, also nichtmal den Anschnitt geschafft) --> Viel Zeit verloren, viel Frust, kein Erfolg

      ---> Schnauze voll, in den sauren Apfel gebissen und Fräser gekauft. 2min Fräsen und die Sache ist erledigt. So muss es sein. Die Investition ist es Wert, wenn man die Zeit für den Pfusch gegenrechnet.

      (bin zu weit weg von dir, sonst hätt ich gesagt komm vorbei zum Fräsen)

      Grüße
      Martin
      Großen Dank für die ausfürlichen Tipps & Erfahrungen! Die "pfusch"-Lösung mit dem vorher ausdrehen ist damit aus dem Rennen!
      @Benny
      Der Verweis auf Miwis Projekt ist gut, das hatte ich damals übersehen. Das mit dem Ausspindeln ist definitiv eine Lösung, meine Frage wäre nur ob man das halbwegs hinbekommt, dass die Lagersitze dann auch fluchten? Also umspannen muss ja sein zwischendurch. Und nochmal planen muss man auch (hat der Miwi auch gemacht). Ich glaube dass da mein Maschinen-Skill nicht ausreicht, aber ich werde mal die alten Werkstatthasen bei mir fragen. Zugang zu einer alten Horizontalfräse habe ich jedenfalls. Einen Ausdrehkopf kann ich mir evtl. ausleihen.

      @ Martin
      Das mit den Lötskills ist eine interessante Sache, bisher habe ich Rohr zu Rohr-Verbindungen nach "an-löten" an 2 Punkten meist Freihand rundherum gelötet. Andererseits habe ich auch schon eine hälfte in der Lehre gelötet und dann den Rest Freihand. Kann man durch eine bestimme Reihenfolge den Verzug noch beeinflussen/minimieren?

      Das mit dem Aufmaß habe ich bisher auch so angenommen, deine Erfahrungen bestätigen dann das sehr gut! die 43,7 sind mit zu klein, bzw. das Übermaß ist zu groß schätze ich, als dass ich da den Steuersatz ohne Beschädigung rein, Geschweige denn jemals wieder heraus bekomme. Ich habe hier einen Cane Creek 40 rumliegen der der mit einer Taper Gabel einkommt. Also unten EC44/38 oben ZS44/28.

      Deine Erfahrungen bestätigen leider meine Ängste :S ... eine Handreibahle habe ich nicht, aber das Kopfkino nach deiner Beschreibung rät ab vom nachmachen :D . Ich habe nach ganz kurzer Recherche ein Werkzeug von Cyclus für 150€ gefunden, der Fräser alleine kostet 85 ... ich werde mal überlegen. Das mit den 2min fräsen klingt aber so wie es sein sollte, verglichen mit mehreren Stunden die das ausdrehen bedeuten würde, wenn es denn funktioniert. Danke für das Angebot dein Werkzeug zu nutzen, wo bist du denn aktiv, wenn ich fragen darf?
      Grüße, Georg
      Hi Georg,

      ja, man kann durch eine entsprechende Reihenfolge den Verzug minimieren :) Aber da bin ich noch am experimentieren und nicht der idealste Ansprechpartner.
      Ich hefte in der Lehre und filletiere dann außerhalb fertig. Ich hefte nach Möglichkeit mit 4 Punkten. Hierbei hefte ich "vom Rohr aus gesehen erst die Täler der Gehrung". Beispiel Tretlager: rechts, links, vorn, hinten. Der Heftpunkt zieht beim Abkühlen in seine Richtung. Die Zeit zwischen zwei Heftpunkten muss also möglichst gering sein, damit der Heftpunkt nicht abkühlt und zu Verzug führt, welchen man dann gegenüber brav anheftet.
      Nach dem Heften halte ich beim Löten eine spezielle Reihenfolge für nicht mehr so relevant. Ich löte wenn es geht auch in einer Richtung durchweg rundherum. Entscheidend ist, dass überall die gleiche Menge Wärme eingebracht wird über den selben Zeitraum. Also nicht auf der einen Seite 10min rumtrödeln und die andere in 30s fertig haben. Achja, ich halte die gesamte Arbeitsgruppe "kurz vor Arbeitstemperatur". Beispiel Tretlager erwärme ich das gesamte Tretlager, nicht nur die Oberseite. So hatte ich es mal bei (wer wars?) gesehen. Er hatte den gesamten Bereich recht lang vorgewärmt und dann ratzfatz durchfiletiert.
      Ansonsten, fürs Schweißen bspw., gibt es noch die Quadrantentechnik. Da hatte (wer wars?, man bin ich vergesslich) mal ein paar Analysen auf youtube gepostet (den Verzug per Laserpointer an eine entfernte Wand dargestellt) und kam zur angehängten Reihenfolge als Optimum (durchschweißen, vorher geheftet). Ich würd gern die Quelle angeben, aber kanns leider nichtmehr, sorry. Habe mir nur den Screenshot aus dem Video gespeichert und keinen Link.
      Meine Werkstatt ist in Stuttgart, also recht weit weg. Gibt es noch andere Rahmenbauer in deiner Nähe? Die Karte gibts ja hier leider nichtmehr, oder? Auf stahlrahmen-bikes.de/ gibts auch noch ne gute Liste deutscher Rahmenbauer. Radläden machen sowas nichtmehr, da war ich vor Jahren schon froh jemanden mit 1 1/8" zu finden. Jemand der nun die ganzen neuen Standards abdeckt dürfte es nicht geben, bleibt also nur Rahmenbauer in der Nähe finden, Fräser kaufen, oder der Ausspindelversuch :).

      Grüße
      Martin
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      Hallo WansHurst, genau das Problem hatte ich auch. Bei uns in der Gegend ist es unmöglich einen Fräser für einen 44er Steuersatz aufzutreiben. Ich stand also vor der Wahl einen Fräser zu kaufen oder mir etwas zu basteln. Ich bin die Bastellösung gegangen. Das ganze war schon ein bisschen abenteuerlich und ich musste lange rumfummeln bis es (für meine Begriffe) gerade war. Der Rest war vielleicht einfach Glück. Das einzige was ich mir für die Aktion angeschafft habe war eine Diamantscheibe um den abgebrochenen VHM Fräser zurecht zu schleifen. (mehr Bilder habe ich von der Aktion leider nicht)
      So weit hört sich deine Werstattausstattung doch gar nicht schlecht an. Ich würde versuchen, mit dem zu arbeiten was vorhanden ist. Gerade das macht ja das Selberbauen aus. Ich würde die HT so lassen, dann hat man genug Fleisch um sich später mit einer Selbstbaulösung an das richtige Maß heranzutasten.

      Gruß, Henne.
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      Also ich krieg es auch nie ohne minimalen Verzug hin.
      Ovalisierungen hatte ich glaube ich mal so bei +-0.1mm gemessen.
      (also r1 0.2mm größer/kleiner als r2 wenn man so will)

      Ausspindeln ging. Umschlag und Ausrichtung durch den Anschlagwinkel auch.

      Das zweite 44mm Rohr hab ich dann mit nem geliehenen Cyclus Tool Fräser geschnitten.
      Das war ne Aktion von 3 Minuten, die meiste Zeit hat das Verzehren der 0.5l Flasche Pils und das Gequatsche mit Ente verbaucht.

      Deswegen kann ich nur diese Aussage unterstreichen:
      2min Fräsen und die Sache ist erledigt. So muss es sein. Die Investition ist es Wert, wenn man die Zeit für den Pfusch gegenrechnet.


      Beim nächsten 44er kaufe ich auch nen Fräser. Schont die Nerven.
      Welchen halbwegs bezahlbaren Fräser gibt es denn für 44er Steuerrohre, der eine brauchbare Steuersatz-Einpresstiefe ermöglicht? Die Insets von Chris King benötigen ca. 9,5 mm Einpresstiefe, der Innenfräser von Cyclus mit integriertem Planfräser schafft aber nur 8,2 mm - und davon muss man auch noch den 45 Grad abgeschrägten Teil abziehen, fürchte ich...