Der gläserne Rahmenbauer...

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      Der gläserne Rahmenbauer...

      Moin von der Ostsee

      ich möchte mir in absehbarer Zeit ein Frameset bauen/lassen, entweder von einem Rahmenbauer, oder eben als Co-Produktion. Dahingehend habe ich mich aber noch nicht ringen können...

      Während ich täglich durch die mecklenburgische Prärie fahre, habe ich viel Zeit zum Grübeln: Ich kenne das ja noch aus meinen Autoschrauberzeiten, wo wir ein Auto, dass es vom Werk nicht als Coupe gab, als Coupe umbauen wollten, da sollte ich ein 2. Auto bauen, dass dann bei/nach einem Crashtest untersucht wird. Aber das sprengte jede Vorstellung und vor allem das Portomonnaie.

      Nun frage ich mich, wie ist ein potentieller Rahmenbauer abgesichert, wenn dem Kunden aufgrund eines Bau-/Materialfehlers das Teil sprichwörtlich unter'm Allerwertesten weg bricht? Bei großen Rahmenbauern kann ich mir vorstellen, dass die ihre Rahmen geprüft haben und bestimmt auch irgendeine Versicherung haben, aber wie ist das bei den kleinen und ganz kleinen Rahmenbauern? Die werden ja kaum die Kohle für solche Festigkeitsgutachten aufbringen können, denke ich mir.

      Ich bin der Allerletze, der irgendwem an die Karre pinkeln will, aber es gibt immer Neider, die einem irgendetwas nicht gönnen und einem dann doof kommen. Ich kenn das noch aus meiner Selbständigkeit. Vielleicht mag mir ja irgendwer Licht in's Dunkel bringen. Ich möchte aber auch keinen gläsernen Rahmenbauer aus Euch machen. (deswegen gerne auch per pm).

      Gruß N.

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      Hallo,

      ist der Schaden durch einen einmaligen Verarbeitungsfehler entstanden, werden Tests im Vorfeld nichts bringen - der Fehler war einmalig.

      Wenn man seit Jahrzehnten bewährte Materialien und Fügemethoden verwendet, sind Test überflüssig - sofern man die Verarbeitung tatsächlich beherrscht.

      Dennoch ist eine ausreichend gedeckte Haftplichtversicherung ein absolutes muss, wenn man Rahmen für Andere baut.

      Begibt man sich mit Konstruktionen in Neuland, sollte man diese auch testen lassen - von unabhängigen Instituten. Sooo teuer ist das nicht - und ein gesunder Schlaf ist unbezahlbar.

      Viele Grüße
      Ulrich

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      @ UV

      gilt dieser ansatz auch für Autodidakten ? im alternativen fred zudem thema (find ihn grad nicht wieder sry) klang es eher so, als wäre ein sachkundenachweis minimum in Höhe eines Lötkurses vorraussetzung im halbwegs gefahrlos etwas fahrbares unter die leute bringen zu können.

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      In dem andere Thread ging es um die Sicht der Innung. Nach dieser muss man Meister des Zweiradmechaniker Handwerks sein...
      Damit wäre ein Schlosser, der ne Hochdruckschweißprüfung auf >1mm Wandung hat nicht berechtigt einen Rahmen zu fertigen. Kurz gesagt der Segen der Innung ist nicht unbedingt ein Garant für handwerkliche Fähigkeiten.

      Schweißen und Löten ist einfach eine Frage der Übung und der Erfahrung. Und Jeder Rahmen, der sich nicht zu weit von Standart entfernt ist statisch und schwingend hinreichend sicher ausgelegt. Und wie Ullrich schon sagt selbst ein 2. Baugleicher rahmen kann nicht vor einmaligen Verarbeitungsfehlern schützen. Das kann nur ein Prooftest und den gibt es nicht für schwingende Beanspruchung von duktilen Werkstoffen nicht, da man nicht weiß in wie weit damit das Bauteil vorgeschädigt hat. Für Statische Fälle bzw. Manche Keramiken gibt es passende Modelle auf deren Grundlage Prooftests durchgeführt werden. Zum Beispiel Hüftprothesen oder Druckbehälter.

      Eine Ausreichend hohe Produkthaftpflicht Versicherung ist schon Voraussetzung. Ich brauche diese so woe so, da ich Waren außerhalb der EU importiere und verkaufe. Trotzdem macht es Sinn in regelmäßigen Abständen einen Rahmen bzw die verwendeten Materialien zu Prüfen oder die entsprechenden Unterlagen vom Hersteller anzufordern.

      Gruß Patrick

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      "RBT" schrieb:

      @ UV

      gilt dieser ansatz auch für Autodidakten ? im alternativen fred zudem thema (find ihn grad nicht wieder sry) klang es eher so, als wäre ein sachkundenachweis minimum in Höhe eines Lötkurses vorraussetzung im halbwegs gefahrlos etwas fahrbares unter die leute bringen zu können.



      Ich glaube Du vermengst da einige Sachen, die nicht zwangsläufig etwas miteinander zu tun haben.

      Wenn Du ein Gewerbe betreiben willst, musst Du es anmelden. Das geschieht in der zuständigen Kommune / Ordungsamt. Dort wird nach der Art des angemeldeten Betriebes gefragt: Industrie, Handwerk, Handel, Sonstiges.
      Rahmenbau (in dem Umfang, von dem wir hier sprechen) gehört zum Handwerk. Daher ist auch die Eintragung in der Handwerksrolle erforderlich. Die Handwerksordung sieht für den Rahmenbaubetrieb die Meisterpflicht vor.

      Für das einzelne Fahrrad / den einzelnen Fahrradrahmen gibt es keine Zulassungspflicht wie z.B. bei einem Auto / Motorrad. Daher gibt es keinen Zwang zu Tests / Prüfungen.

      Die Tests / Prüfungen dienen also im Rahmenbau der Produktentwicklung, Produktsicherheit und evt. Qualitätssicherung.

      Wenn Milliarden an Fahrrädern aus Stahlrohren, die miteinander verlötet wurden, erfolgreich gebaut und gefahren wurden, erscheint ein weiterer Test, der die grundsätzliche Sicherheit dieser Konstruktionsart nachweisen soll überflüssig. Das gilt natürlich auch für andere Materialien / Verbindungsmethoden, für die ausreichend Praxiserfahrung vorhanden sind.
      Tests in diesem Bereich sind also nur für die Qualitätssicherung notwendig / erforderlich. Allerdings lassen sich individuelle Fehler durch solche Tests nicht herausfiltern.

      Wer privat baut, muss natürlich weniger "behördliche Hürden" bewältigen. Allerdings ist immer die Verkehrssicherheit zu beachten. Wenn man also "Müll" gebaut hat und z.B. durch einen Unfall Dritte zu Schaden kommen, kann das ganz unschön enden.

      Viele Grüße
      Ulrich

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „vogel“ ()

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      "Nabisco73" schrieb:

      Ich bin der Allerletze, der irgendwem an die Karre pinkeln will, aber es gibt immer Neider, die einem irgendetwas nicht gönnen und einem dann doof kommen. Ich kenn das noch aus meiner Selbständigkeit.


      Hallo,

      dazu kann ich nur sagen, dass mir bisher alle Kollegen die ich angesprochen oder zu denen ich Kontakt aufgenommen habe, sehr offen und freundlich begegnet sind. Unter den Rahmenbauer herrscht nach meinem Eindruck ein äußerst kollegiales Miteinander. Einige halten mehr oder weniger regelmäßig Kontakt und helfen sich gegenseitig mit Material und Informationen aus.

      Viele Grüße
      Ulrich

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      @ UV

      keine sorge, war schon so gemeint wies geschrieben war. es ging mir schon um die Leute, die im wesentlichen für den Eigenbedarf produzieren, aber ihr Hobby durch den Bau von Anbauteilen oder Rahmen für einen erweiterten bekanntenkreis querfinanzieren. also im Bereich des Kleingewerbes oder max. 4 stelliger Einnahmen pro jahr. (wie man das steuerlich macht, soll hier erstmal egal sein)
      wenn ich das dann richtig verstanden habe spielt man ohne meisterbrief immer risiko, da die haftpflicht sich im fall des unfalles aus der affäre ziehen kann. right ?

      ...........

      innerhalb der "gemeinde" mag der zusammenhalt und die kollegialität groß genug sein, um solche hässlichen szene mit bepinkelten beinen zu verhindern, aber man denke nur mal einen außenstehenden mit meisterbrief, der mit Hilfe seines Anwaltbruders lustig abmahnungen schreibt, weil er irgendwo "wettbewerbsnachteile" wittert.

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      "RBT" schrieb:

      @ UV

      keine sorge, war schon so gemeint wies geschrieben war. es ging mir schon um die Leute, die im wesentlichen für den Eigenbedarf produzieren, aber ihr Hobby durch den Bau von Anbauteilen oder Rahmen für einen erweiterten bekanntenkreis querfinanzieren. also im Bereich des Kleingewerbes oder max. 4 stelliger Einnahmen pro jahr. (wie man das steuerlich macht, soll hier erstmal egal sein)
      wenn ich das dann richtig verstanden habe spielt man ohne meisterbrief immer risiko, da die haftpflicht sich im fall des unfalles aus der affäre ziehen kann. right ?


      Neeee - ohne Meister keine Eintragung in die Handwerksrolle. Ohne Eintragung in die Handwerksrolle keine Anmeldung eines Gewerbes (egal ob Haupt- oder Nebenerwerb).
      Ohne Gewerbe = Schwarzarbeit (denn Du willst ja querfinanzieren ist also Zahlung von Geld oder geldwerter Vorteil also zu versteuern).
      Der Haftplichtversicherung ist es (vermutlich) egal ob Du einen Meister hast oder nicht - so lange Dein Gewerbe regulär angemeldet ist.

      Ob eine private Haftplichtversicherung den Schaden trägt, wenn Dritte durch einen von Dir "privat" gebauten Rahmen zu schaden kommen, solltest Du mit Deiner Versicherung klären.

      ...........

      "RBT" schrieb:

      innerhalb der "gemeinde" mag der zusammenhalt und die kollegialität groß genug sein, um solche hässlichen szene mit bepinkelten beinen zu verhindern, aber man denke nur mal einen außenstehenden mit meisterbrief, der mit Hilfe seines Anwaltbruders lustig abmahnungen schreibt, weil er irgendwo "wettbewerbsnachteile" wittert.


      Ist doch Wurscht. Wenn Du Dein Gewerbe regulär angemeldet hast und alle Instanzen ihr Ja und Amen gegeben haben, dann ist doch alles ok - lass sie reden. Aber auch da habe ich bisher nur positive Rückmeldungen - z.B. von den örtlichen Fahrradhändlern. Die sind froh, wenn sie Kunden mit einem Rahmenbruch wo anders hinschicken können.

      Ulrich

      Re: Der gläserne Rahmenbauer...

      "TotemBikes" schrieb:

      In dem andere Thread ging es um die Sicht der Innung. Nach dieser muss man Meister des Zweiradmechaniker Handwerks sein...

      Fahrzeugbau-Meister (ist das die richtige Bezeichnung?!) dürfte auch anerkannt werden.

      Ansonsten kann man Ausnahmen beantragen. Das ist individuell zu betrachten und wird von Handwerkskammer zu Handwerkskammer sehr unterschiedlich gehandhabt. Will man es auf diesem Weg versuchen, sollte man sich eingehend mit der Handwerksordung und der Verordnung über die Berufsausbildung im Zweiradmechanikerhandwerk beschäftigen, um die Ausnahmen begründen zu können.

      Grüße
      Ulrich